Hans

Mehr als 25 Jahre lang hatte ich die Gelegenheit, die Entfaltung von Manfreds Persönlichkeit zu verfolgen. Trotz des fehlenden Hauptschulabschlusses war sich Manfred nicht zu schade, sich für eine Einarbeitung in die Besen- und Bürstenbinderei zu entscheiden. Das war wirklich kein leichter Job für ihn. Er fuhr trotz seines geringen Sehvermögens bei Wind und Wetter morgens um 6.00 Uhr nach Darmstadt in die Werkstatt der Besen- und Bürstenbinder und am Abend unter ähnlich schwierigen Bedingungen wieder zurück nach Frankfurt. Zu diesem entscheidenden Schritt, der mir im Gedächtnis haften blieb, möchte ich Manfred noch heute im Nachhinein beglückwünschen. Arbeitserprobungen in der Reha-Einrichtung in Veitshöchheim waren der Entscheidung zur Bürstenbinderei vorausgegangen, die für Manfred alles andere als ermutigend oder gar weichenstellend waren. Er fiel schon damals auf durch Disziplin, Willensstärke und Entschlusskraft. Diese Haltung bewies er später bei seiner Bewerbung und Arbeitseingliederung bei der Taxizentrale, wo er sich  auch gelegentlich mit Kolleginnen und Kollegen auseinanderzusetzen hatte, die ihm nicht wirklich immer wohlgesonnen waren. Mehr als 10 Jahre lang hatte Manfred eine feste Anstellung in der Taxizentrale. Zwischenzeitlich reifte in ihm der Entschluss, sich selbständig machen zu wollen. Sein Umfeld riet ihm natürlich: „Du wirst doch deinen Arbeitsplatz in der Taxizentrale nicht kündigen.“ Das war ja auch verständlich. Manfred jedoch fühlte in sich ausreichend Energie und Kreativität, um sich etwas Eigenes aufzubauen. Zwischenzeitlich hat  er es bei verschiedenen Dienstleistern versucht, sich nützlich einzubringen. Das war natürlich mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten infolge seiner Sehbehinderung nicht einfach. So hat er sich letztlich doch zu einer Ich-AG entschlossen. Hier wird seine Haltung deutlich. Er ist nicht einer, der nach dem Motto handelt: „Augen zu und durch.“ Vielmehr versucht er immer Risiko und Chancenwahrnehmung realistisch gegeneinander abzuwägen, bevor er sich entscheidet. Wir wissen alle, wie schwierig es heute geworden ist, sich achtbar und ehrlich als freier oder selbständiger Mitarbeiter in einem Unternehmen oder in der eigenen Firma in einem knallharten Wettbewerb zu bewähren und zu behaupten. Das ist das, was ich an Manfred schätze, dass er aufrichtig und ehrlich sein Leben zu gestalten bemüht ist, auch dass er bestrebt ist, dieses Verhaltensprinzip im Berufsleben zur obersten Priorität zu machen.